Es war einmal? Jonas!

Es war einmal

So fangen doch Geschichten oft an – oder? Es ist die Nacht vom 27.4. auf den 28.4.im Jahr 2012. Ich habe bei meiner damaligen Freundin (heute ist sie ja meine Frau) übernachtet. Der 28.4. ist mein Geburtstag. Und irgendwo gegen 1 Uhr in der Früh (des 28.4.12) und wir schlafen eigentlich schon tief und fest. Als das Telefon klingelt, springe ich auf, denn ich wollte ja eigentlich verhindern, dass Petra aufwacht. Also laufe ich schnell aus dem Schlafzimmer, rüber ins Wohnzimmer. Mir schießt sofort in den Kopf, dass es bestimmt meine Mutter ist, und bestimmt ist jetzt die Uhrzeit, zu der ich damals geboren wurde. Im Halbschlaf, mit der Erwartung, dass mir gleich zum Geburtstag gratuliert wird, und entschlossen gleich zu sagen, dass ich das um diese Uhrzeit gar nicht witzig finde, schnappe ich mir das Telefon und wundere mich noch kurz, warum mir da der Name meiner Schwester angezeigt wird. Ich denke noch – dass meine Mama bestimmt bei Uta (meiner Schwester) zu Besuch ist.

Ich melde mich also. Und meine Schwester sagt mit weinerlicher Stimme „Ich wollte Dir nur sagen, dass Jonas (mein Neffe) tot ist.“

Und zack bleibt die Zeit stehen. Ich weiß erst mal gar nichts mehr. Was soll ich sagen, was soll ich fühlen, wie soll ich mich verhalten. Im Kopf geht es noch kurz hin und her, ob es vielleicht ein ganz schlechter Scherz sein soll. Das traue ich mich aber nicht zu fragen. Nach einer gefühlten Ewigkeit schaffe ich es dann doch endlich zu sagen „Warum?“

„Jonas wurde vom Zug überfahren!“ Und so blöde wie ich es heute auch finde, ich vergesse es glaube ich nie mehr. Ich habe aufgelegt, bin wortlos zurück ins Bett gegangen, und die natürlich mittlerweile aufgewachte Petra fragt mich „Wer ruft denn um diese Zeit an?“ Ich sage „Jonas, mein Neffe ist tot!“ und dann lag ich erst eine Weile im dunklen Schlafzimmer, im Bett und habe an die Decke gestarrt.

 

 

 

Mein Kopf hat nicht aufgehört lauter blödes Zeug zu denken. Eigentlich müsste ich doch jetzt weinen. Es müsste mir doch so richtig schlecht gehen. Ich lag aber da und habe nur überlegt, warum wird jemand mitten in der Nacht vom Zug überfahren? Ich habe gedacht, dass es bestimmt ein Unfall war. Aber wir kann es passieren, dass jemand vom Zug überfahren wird. Grundsätzlich und überhaupt. Nach wieder einer Weile war ich mir nicht mehr sicher, ob dieser Anruf wirklich stattgefunden hat, oder ob ich mir das nur eingebildet habe? Vielleicht war alles ja nur ein blöder Traum gewesen? Also bin ich wieder aufgestanden. Ich hätte ja im Telefon nachschauen können – aber das fiel mir nicht ein. Ich saß vor dem Telefon und habe überlegt, soll ich wirklich meine Schwester anrufen und fragen, ob das wirklich stimmt? Nein ich mach das anders. Also habe ich meine Mutter angerufen. Und noch während es gewählt hat, habe ich überlegt, was ich denn mache oder sage, wenn es nicht wahr ist. Aber – leider – hat es sich sofort bestätigt.

Jonas hatte Asperger Autismus. Durch ein bestimmtes Geschehen war seine Gefühlswelt komplett aus den Fugen geraten. Er sah wohl keine andere Lösung mehr als sich selbst umzubringen. So legte er sich auf das Gleis und wartete darauf vom Zug überrollt zu werden.

Passiert ist das ganze am 27.4.2012 in der Nacht. Bis meine Schwester telefonieren konnte war es schon der 28.4. Deshalb habe ich eine schräge Erinnerung an meinen Geburtstag. Heute ist der 27.4.2024. Es jährt sich heute also zum 12. Mal.

Jonas, du fehlst! Gone, but not forgotten!

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