Moin Rock-Fans, hier ist wieder Doc Fetzer!
Haltet eure Lockenwickler fest und dreht die Verstärker auf 11. Heute knöpfen wir uns eine Akte vor, die so wild ist, dass man sie sich nicht ausdenken könnte. Es geht um einen Mann, der nicht nur die Gitarre, sondern quasi den ganzen verdammten Rock'n'Roll erfunden hat. Aber wusstet ihr, dass seine Karriere fast geendet hätte, bevor sie überhaupt begann?
Schnappt euch ein Kaltgetränk, wir tauchen ein in die wilde Welt von Mr. Rock'n'Roll!
Stellt euch vor: Amerika, 1944. Wir haben Henry (Diakon) und Martha (Schulleiterin). Super fromm, super anständig. Und dann haben sie einen Sohn. Den Namen? Pssst, den verrate ich später.
Dieser Filius ist mit seinen Kumpels unterwegs, pleite und so planlos wie ein Hamster im Laufrad. Die grandiose Idee des Trios, um nach Hause zu kommen?
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Wir besorgen uns Spielzeugpistolen.
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Wir überfallen ein paar Läden.
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Profit!
Klingt nach einem schlechten Film, oder? Es wird "besser". Auf der Flucht hat ihre Karre eine Panne. Was macht unser Held? Er hält ein anderes Auto an, der Fahrer flüchtet panisch, und die Jungs nutzen das geklaute Auto, um ihr eigenes (!) anzuschieben. Ende vom Lied: Die Polizei sammelt die Chaoten ein. Der Sohnemann, bürgerlich Charles Edward Anderson, wandert in den Bau.
Vom Knast zum Kamm zur Klampfe
Nach dem Knast macht Charles das, was jeder harte Ex-Häftling tut: Er wird Friseur. Tagsüber Haare schneiden, abends als Pförtner beim Radio arbeiten. Dort kauft er einem Musiker eine E-Gitarre ab, besorgt sich ein Tonbandgerät und fängt an zu zocken.
Charles hatte nur ein Problem: Er war ein vorbestrafter Ex-Knacki, der jetzt auch noch diese "Teufelsmusik" machte. Um Papa Henry nicht komplett zu blamieren, fügte er seinem Nachnamen ein "N" hinzu. Aus Charles Berry wurde auf den Plakaten Chuck Berryn.
Der erste echte Guitar-Hero
Machen wir uns nichts vor: Chuck war der erste echte Virtuose an der E-Gitarre. Sein Geheimrezept? Er klaute typische Klavier-Riffs und ballerte sie auf die Gitarre. Genial einfach, einfach genial.
Und weil er keine Lust hatte, wie ein steifer Anzugträger rumzustehen, erfand er den Duckwalk.
Wichtige Durchsage: Wenn du jetzt denkst "Ah, wie Angus Young!" – MÖÖP! FALSCH! Angus hat sich das beim Meister abgeschaut. Wir reden hier von Chuck Berry, dem Original!
Auf Tipp von Blues-Legende Muddy Waters landete Chuck bei Chess Records. Der Rest ist Geschichte: Maybellene, Roll over Beethoven, Sweet Little Sixteen und natürlich die Hymne aller Hymnen: Johnny B. Goode.
Der Song ist so gut, dass er die Erde verlassen hat. Kein Witz! Johnny B. Goode fliegt auf den Sonden Voyager 1 und 2 durchs All. Wenn Aliens uns finden, dann wegen Chucks Riffs.
Der einsame Wolf und die 1.000-Dollar-Strafe
Chuck war ein Unikat. Feste Band? Nö, kein Bock. Er tourte alleine. Vor Ort warteten sogenannte "Hired Guns" – lokale Mucker, die oft keine Ahnung hatten, was auf sie zukommt. Keine Proben. Chuck kam, spielte, kassierte und ging.
Und das mit dem Kassieren war so eine Sache:
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Der Deal: 9.000 Dollar Gage.
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Die Realität: Er ging immer mit 10.000 Dollar nach Hause.
Wie das? Chuck war ein Sound-Fetischist. Sein technischer Rider forderte zwingend einen Fender Dual Showman Reverb. Stand der nicht da (und der war damals selten!), kostete das 1.000 Dollar Strafe. Bar auf die Kralle. Und für die Musiker war es der pure Stress: Chuck wechselte mitten im Song gerne mal die Tonart oder das Tempo, nur um zu sehen, ob die Jungs schwitzen. Er spielte, worauf er Bock hatte. Punkt.
Keith Richards kriegt aufs Maul
Chuck war der Boss, und das spürten auch die ganz Großen. Eric Clapton und Keith Richards haben sich quasi darum geprügelt, mit ihm zu spielen. Apropos Prügel: Keith Richards hat tatsächlich mal eine von Chuck gefangen! Warum? Er hatte es gewagt, sich in Berrys Garderobe zu schleichen und heimlich dessen Gitarre anzufassen. Tja, Keith – Finger weg vom Heiligtum!
Aber bei aller Exzentrik: Chuck Berry war ein unfassbarer Songwriter. Schaut euch die Texte an. In 3 Minuten erzählt er komplette, komplexe Geschichten. Und achtet mal auf YouTube auf seine Hände. Der Mann hatte Finger wie Bratwürste! Wie er damit diese filigranen Riffs greifen konnte, bleibt sein Geheimnis.
Doc Fetzers Randnotiz: "Zurück in die Zukunft"
Ihr kennt meine Liebe zu Zurück in die Zukunft. Johnny B. Goode spielt da ja eine Riesenrolle. Aber als Gear-Nerd muss ich mal kurz den Klugscheißer raushängen lassen (sorry, Marty!):
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Die Gitarre: Marty spielt eine rote Gibson ES-345. Die gab es 1955 noch gar nicht! Filmfehler! (Regisseur Zemeckis fand sie einfach hübscher).
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Der Sound: Eingespielt hat das nicht Marty, sondern Studiomusiker Tim May.
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Der Verstärker: Im Film steht da auch der falsche Amp.
Wäre Chuck Berry am Set gewesen, hätte er Marty wahrscheinlich angegrinst und gesagt: "Netter Versuch, Junge. Das macht dann 1.000 Dollar extra!"
Bleibt nur eines zu sagen für den Mann, der den Grundstein für alles gelegt hat, was wir hier im Blog feiern:
Hail, Hail, Rock'n'Roll!
Euer Doc Fetzer
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