Ich bin ein Kind der 60er und meine musikalische Reise startete in den 70ern. Und ja, auch bei meinem allerersten Gig war die Technik bereits mein bester Freund. Als Orgelspieler war mein Instrument schon damals ein elektrisches Ungetüm. Ich hab zwar die Tasten gedrückt, aber der Sound kam rein elektrisch aus den Lautsprechern. Tja, echte Handarbeit, ne?
Ende der 70er haben wir unsere erste Band gegründet. Der Sound war 100 % Uriah Heep und Deep Purple. Musik hatte damals einfach einen anderen Stellenwert. Warum? Weil sie ein verdammter Schatz war, für den man ackern musste. Heute zückst du dein Handy, klickst zweimal und fertig. Wir? Wir hatten zwei Optionen: Radio-Gefangenschaft mit Kassettenrekorder in der Hand, immer in der Hoffnung, der Moderator quatscht nicht rein. Oder du scharrst dein Taschengeld zusammen, um dir eine Single oder LP zu kaufen. Der nächste Plattenladen war 30 Kilometer entfernt und so eine Single hat dein Taschengeld mal eben in Schall und Rauch aufgelöst. Eine LP war ein echtes Luxusgut. Kein Wunder, dass diese Schätze ganz anders behandelt wurden als ein Song, den du heute mal eben so streamst.

„Echte Handarbeit“, sagt er…
Zurück zur Musik: Live-Konzerte von unseren Rock-Helden gab es so gut wie nie. Tanzbands waren überall, aber ihre „Rocksongs“ waren meist ein akustischer Albtraum. Wenn man sie darauf angesprochen hat? „Das ist halt noch echte Handarbeit!“, kam dann. Ich hab mich immer gefragt: Mit was willst du dein Instrument denn sonst spielen?! Mit dem Arsch?
Unsere eigenen Bandversuche waren klanglich auch eher… naja, sagen wir mal experimentell. Wir hatten keine Verstärker. Aber: Wir hatten Amis! Dank der DDR-Grenze gab es in unserer Gegend haufenweise amerikanische Soldaten, die uns einen genialen Tipp gaben: Baut Radios um! Ja, damals gab es noch Röhrenradios! Ein Radiotechniker hat uns das dann so hingebastelt, dass wir unsere Instrumente anschließen konnten. Gitarren klangen gar nicht mal so übel. Bässe? Eher schlecht. Gesang? Gewöhnungsbedürftig.
Geprobt haben wir im Jugendtreff der Kirche. Für die anderen Kids waren wir die coolen Typen, für alle anderen eher nervige Ruhestörer. Aber hey, wir hatten unseren Spaß!
Die Technik hat sich seitdem krass verändert und wurde auch für Normalsterbliche bezahlbar. Aber ein Spruch hält sich hartnäckig: „Wir machen aber noch echte Handarbeit!“ Dabei wurde doch alles immer technischer. Und ich sage: Zum Glück! So cool die alten Radio-Amps damals waren, ich will nie wieder zurück!
Schon damals gab es Bands, die nur dank Technik groß wurden. Queen waren Vorreiter, und was wäre Def Leppard ohne die Technik, die Drummer Rick Allen nach seinem Unfall zum Idol machte? Es sind oft die Musiker selbst, die technischen Fortschritt kleinreden und schlechtmachen.

Die gigantische Last und die kleine Bohne
Zeitsprung in die 90er: In einer Cover-Rock-Band hab ich damals nur auf Motorradtreffen gespielt, also auf großen Bühnen. Meine Gitarren-Anlage wurde schnell zu einem monströsen Ungetüm. Selbstgebaute Boxen, bestückt mit je vier 15-Zöllern, jede so groß wie ein Schrank! Dazu tonnenschwere Röhren-Tops. Wenn ich mein Zeug allein transportieren musste, brauchte ich einen Pferdeanhänger. Ja, richtig gehört, einen fucking Pferdeanhänger! Meine Frau muss heute immer schmunzeln, wenn sie ein Teil meines aktuellen Equipments trägt und stöhnt, wie schwer das ist. Früher wog ein Topteil über 40 Kilo. Und ich hatte immer mindestens drei dabei. Die Boxen konnte man allein gar nicht bewegen. Ein echter Knochenjob!
Dann kam Line6 und das "Modelling" war in aller Munde. Natürlich wurde auch hier mit dem Spruch „Klingt wie ein echter Marshall!“ geworben, was damals wie heute übertrieben war. Aber der Sound war gut. Ich hatte einen Amp mit 2x12er Lautsprechern. Der AX 212 hatte genug Power für die Bühnen und klang auch über die PA gut. Ich war total happy.
Und dann kam die Bohne. Insider wissen, was ich meine: der Line6 POD. Dieses Ding sah aus wie eine rote Kidney-Bohne und man konnte die Gitarre direkt ans Mischpult anschließen. Der Sound war okay, aus heutiger Sicht eher mies. Aber es war ein Meilenstein. Live aufzutreten mit einem Teil, das kleiner ist als deine Gitarre – das war schon ein verrücktes Gefühl! Und ja, damals hatten die Kritiker noch Recht: Der Sound war nicht der Beste.

Hauptsache, das Publikum ist glücklich
Der Sound hat sich über die Jahre natürlich krass verbessert. Aber die Kritiker? Die sind geblieben. Die Industrie wirbt immer noch damit, dass man keinen Unterschied zum "echten" Verstärker hört – stimmt nicht. Ja, für uns Gitarristen ist ein Röhrenamp ein ganz anderes Klangerlebnis. Aber weißt du, wem das herzlich egal ist? Dem Publikum!
2014 hab ich im Vorprogramm einer AC/DC-Tribute-Band gespielt. Die hatten eine Wand von Marshall-Attrappen auf der Bühne. Meine Anlage? Ein Line6 POD HD 500, direkt ins Pult. Danach kamen Leute zu mir und sagten: „Heute war dein Sound super! War bestimmt geil, mal wieder über eine Marshall-Anlage zu spielen, oder?“ Darüber lache ich heute noch!
Trotzdem mache ich immer wieder Ausflüge in die Röhren-Welt. In einer Blues-Rock-Band, wo der Organist eine Hammond mit Leslie hatte, war ein Röhrenamp meine einzige Chance, mich selbst noch zu hören. Übrigens ein 130-Watt-Bugera (Behringer!). Der war richtig laut und richtig schwer!
Aber mein absoluter Favorit ist und bleibt Line6. Seit Jahren nutze ich den Helix, live und im Studio. Immer direkt ins Pult.

KI, DAW und die neuen Möglichkeiten
Und nicht nur bei Gitarren geht’s steil bergauf. E-Drums sind längst etabliert, viele Sänger schwören auf Multieffekte mit Harmonizer und im Studio regiert die DAW (Digital Audio Workstation). Musik ist digital geworden. Analog ist meist zu umständlich und zu teuer. Heute gibt es Plugins, die teure Effektgeräte ersetzen, und virtuelle Instrumente, die jedem ermöglichen, Streicher oder Bläser zu spielen.
Die ewigen Nörgler, die sagen, „früher war alles besser“, gibt es immer. Ich bin da eher bei Bill Gates, der mal sagte: „Entweder man geht mit der Zeit, oder man geht mit der Zeit!“
Aktuell mischt KI die Szene auf. Und natürlich sind die alten Kritiker wieder da und sagen, es klingt alles scheiße. Aber ich sehe das anders. Ich glaube, dass es immer mehr in diese Richtung gehen wird, und man muss verdammt schnell sein, um dranzubleiben. Ich persönlich habe entschieden, KI im Rahmen meiner Möglichkeiten einzusetzen. Ich finde es spannend, was da passiert.
Auf meinem kommenden Album WHITE MORAY werden ein paar Songs dabei sein, die ich mithilfe von KI fertiggestellt habe – und zwar nicht nur visuell wie bei meinen Cover-Arts, sondern auch akustisch. Ich habe meine Parts selbst gespielt, aber die KI hat den Klang veredelt. Mir gefällt das Ergebnis und die ersten Rückmeldungen bestärken mich darin, diesen Weg weiter zu verfolgen.
Klar, ich bin nur ein kleiner Musiker und muss nicht eine große Industrie befriedigen. Ich genieße den Luxus, einfach zu machen, worauf ich Bock habe. Und genau das mache ich auch! Deswegen verfolge ich jetzt auch konsequent mein Ziel, eine Show mit Backing-Tracks auf die Beine zu stellen. Die Technik ist da, die Arbeit ist immens, aber hey – ich hab ja sonst nichts zu tun!

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