Die Sommerloch-Saga

Veröffentlicht am 22. August 2025 um 09:57

Es hakelt und stockelt: Die glorreiche Sommerloch-Saga

 

Produktionsstau im Sommer ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Erst hat mich ein unfreiwilliger Klinikaufenthalt aus der Bahn geworfen und Steine in meine Musikproduktion gerollt, und dann? Dann kam das, was kommen musste: die Urlaubszeit!

Da denken manche Leute doch tatsächlich, so ein 5-Minuten-Song ist in, na ja, 5 Minuten fertig. Schließlich ist es ja nur ein Lied, das man schnell einspielt, oder? Bzzzzzt! Falsch gedacht! Wer so denkt, hat noch nie hinter die Kulissen einer Musikproduktion geblickt. Es ist ein Marathon, kein Sprint.

Schritt 1: Vom Geistesblitz zum Song

Bevor es überhaupt an die Aufnahme geht, muss das Lied erstmal existieren. Das Songwriting – sprich, Komposition und Text – ist der absolute Grundstein. Mal schießt ein Song in wenigen Minuten aus dem Ärmel, mal quält man sich Wochen, Monate oder sogar noch länger, bis alles sitzt.

Wenn der Song fertig ist, geht's in die Pre-Produktion. Ich schnappe mir meine Gitarre, singe ein und nehme das Ganze mit einem Click-Track auf. So habe ich die Grundgeschwindigkeit und den roten Faden. Dann beginnt die echte Kreativ-Sause! Ich spiele alles ein, was mir in den Sinn kommt – verschiedene Instrumente, Rhythmen, Varianten. Das dauert locker ein bis zwei Tage, manchmal auch länger.

Schritt 2: Das Wirrwarr entwirren

Nach der Kreativ-Explosion habe ich meist ein wildes Sammelsurium an Spuren. Jetzt kommt die Aufräum-Phase: Ich entscheide, wie der finale Song klingen soll. Überflüssige Parts werden gelöscht, neue aufgenommen. Das kostet mich wieder ein bis zwei Tage. Und wenn Freunde und Bekannte mitmachen, die ihre Spuren beisteuern, kann das schon mal länger dauern.

Das Ergebnis ist die Instrumental-Aufnahme. Die schicke ich direkt zum Mix. Warum nicht selbst? Ganz ehrlich, meine Ohren sind nicht die besten. Wenn ich das abmische, klingt es für mich vielleicht super, aber andere schlagen die Hände über dem Kopf zusammen. Mein Mix-Genie-Kumpel Francesco aus Italien kriegt das in 2-3 Tagen hin.

Schritt 3: Gesang – der härteste Brocken

Jetzt kommt der Gesang, und hier platzen die meisten Illusionen. Den Lead-Gesang mal eben einsingen? Pustekuchen! Ich nehme den Lead-Gesang mindestens fünfmal auf, jede Chorstimme dreimal. Warum der ganze Aufwand? Das ist der sogenannte "Stimme-Fetter-Kling-Trick" oder, für die Profis unter euch, der Haas-Effekt.

Bevor die Gesangsspuren zum Mix gehen, mache ich eine Vorbearbeitung. Ich eliminiere alle Nebengeräusche und lösche die Pausen. Dann wandert das gesamte Paket – Instrumente und Gesang – zum Mix und Mastering.

  • Mix: Hier wird alles zusammengemischt, sodass Lautstärken, Panorama und Effekte perfekt harmonieren.

  • Mastering: Das ist der letzte und wichtigste Schliff. Der Mastering-Engineer sorgt dafür, dass der Song auf jedem Gerät (Kopfhörer, Stereoanlage, Smartphone-Speaker) hammermäßig klingt und mit der Lautstärke anderer Songs mithalten kann.

Dieser Prozess dauert ebenfalls wieder ein bis drei Tage. Und dann? Dann kommt die finale Version zu mir zurück! Juhu!

Schritt 4: Fast am Ziel

Jetzt aber schnell online damit, oder? Fast! Spätestens jetzt muss das Cover-Art her – das, was früher das Titelbild war. Da ich in Sachen Kreativität eher ein Holzklotz bin, lasse ich meist die KI ran. Photoshop sorgt dann dafür, dass Format, Auflösung und mein Logo sitzen.

Nun kommt der Distributor ins Spiel. Der schickt den Song an alle Plattformen (Spotify, YouTube etc.). Ich liefere meinen Song, das Cover-Art und meinen Label-Code. Der Distributor ergänzt die fehlenden Codes und ab die Post. Die Vorstellung, dass das alles nur ein schneller Upload ist, ist leider wieder eine Illusion. Selbst digital dauert es drei bis sechs Wochen, bis der Song auf allen Plattformen verfügbar ist.

Schritt 5: Promotion und Daumen drücken

Du siehst, das ist ein Prozess, der sich über Wochen hinzieht. Und dabei haben wir noch nicht mal über die Promotion geredet, die ebenfalls Tage in Anspruch nimmt, aber unabdingbar ist. Und dann? Dann heißt es nur noch: abwarten, hoffen und Daumen drücken, dass der Song jemandem gefällt.

Jeder Tag, an dem etwas stillsteht, kann eine wochenlange Verzögerung bedeuten. Und momentan treffe ich auf diese Auswirkungen, weil die Beteiligten ihre wohlverdiente Auszeit genießen.

Aber hey – es geht garantiert weiter! Heute kam das Instrumental zu „White Moray“ vom Mix zurück. Es geht voran!

Was glaubst du, wie lange braucht eine Band, um einen ganzen Song zu produzieren?

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